3-teiliges Spezial: Fundraising für Selbsthilfegruppen, Teil 2 Gewinnung ehrenamtlicher Mitarbeiter

Selbsthilfegruppen dienen dem Informations- und Erfahrungsaustausch genauso wie der gegenseitigen Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen. Die einzelnen Gruppenmitglieder sind untereinander gleichberechtigt, wobei es normalerweise einen Verantwortlichen gibt, der die gemeinsamen Treffen organisiert und der öffentlich als Ansprechpartner genannt wird. Das klappt in der Anfangsphase meist ganz gut. Aber nach einiger Zeit fühlen sich die Gruppenleiter von den anderen Mitgliedern oft allein gelassen und haben immer häufiger das Gefühl, dass sie die ganze Arbeit machen während alle anderen nur eigennützig davon profitieren. Dann wird das Problem meist auch innerhalb der Gruppe offen angesprochen und über die Zukunft der Selbsthilfegruppe diskutiert.

Der Sinn und Zweck der Selbsthilfearbeit wird dabei selten in Zweifel gezogen. Im Grunde empfinden alle Betroffenen von chronischen, seltenen und / oder schweren Krankheiten ihre aktuelle Situation als schwierig und die medizinische Betreuung als unzureichend, kritisieren das mangelnde Verständnis ihres sozialen Umfeldes und die fehlende Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Eigentlich will fast jeder, dass sich etwas ändert – aber selbst Verantwortung übernehmen, das will kaum jemand. Die Suche nach Mitstreitern die sich aktiv mit einbringen wollen gestaltet sich deshalb oftmals sehr schwierig.

So gewinnt man Mitarbeiter für die Selbsthilfearbeit – 10 Tipps

1. Mit gutem Beispiel vorangehen
Wenn man nicht einmal selbst bereit ist aktiv Verantwortung zu übernehmen, warum sollte sich dann jemand anderes bereit erklären sich für das eigene Anliegen zu engagieren? Nur wer sich ein Ziel gesetzt hat und tatkräftig an der Erreichung dieses Ziels arbeitet, wird andere motivieren können sich ihm anzuschließen.

2. Zur eigenen Selbsthilfearbeit stehen
Auch wenn der Versuch mit Internetseiten ohne Impressum, Nicknamen oder anonymen E-Mail-Adressen die eigene Identität zu schützen verständlich sein mag – niemand ist bereit sich für eine Sache einzusetzen wenn er nicht einmal genau weiß wer dahinter steckt und mit wem er es zu tun hat.

3. Mit Kritik konstruktiv umgehen
Wahrscheinlich ist niemand begeistert, wenn er auf Fehler hingewiesen wird. Für das Fundraising ist persönlich mitgeteilte Kritik aber auch eine Form von Aufmerksamkeit und damit eine Möglichkeit, die man nutzen kann um Kontakte zu knüpfen. Geht man auf den Kritiker ein und beseitigt vorhandene Schwachstellen gelingt es gleichzeitig oft in dem Kritiker einen Unterstützer zu finden.

4. Absagen nicht persönlich nehmen
Fundraising ist ohne das ungeliebte „Klinken putzen“ nicht denkbar. Der Erfolg stellt sich meist nur langsam ein und ist in der Regel hart erarbeitet. Absagen sind normal und kein Grund aufzugeben. Lassen Sie sich deshalb davon nicht entmutigen!

5. Immer freundlich bleiben
Vielen fällt es schwer eine harsche Abwehrhaltung hinzunehmen, wenn sie für eine gute Sache eintreten und freundlich um Hilfe bitten. Aber wenn Sie ebenfalls unfreundlich reagieren, dann haben Sie die Tür endgültig zugeschlagen. Andernfalls können Sie es mit etwas zeitlichem Abstand vielleicht noch einmal versuchen.

6. Den Kontakt langsam aufbauen
Zu den größten Fehlern bei dem Versuch ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden, gehört es jeden Interessenten gleich völlig vereinnahmen zu wollen. Denn das schreckt potentielle Unterstützer nur ab. Zeigen Sie stattdessen Gesprächsbereitschaft und warten Sie auf die Signale Ihres Gegenüber.

7. Die eigenen Erwartungen herunter schrauben
Sie wissen genau was wichtig und richtig ist bzw. wer was wann wo und warum machen soll? Prima, wenn Sie demjenigen der Ihren Vorstellungen genau entspricht ein entsprechendes Gehalt zahlen können, sollten Sie die Suche nicht länger aufschieben. Wenn Sie hingegen ehrenamtliche Mitarbeiter finden möchten, dann werden Sie um Kompromisse nicht herumkommen.

8. Konkrete Möglichkeiten benennen
Viele Menschen werden nicht in einer Selbsthilfegruppe aktiv obwohl sie eigentlich durchaus bereit sich ehrenamtlich in der Gesundheitsselbsthilfe zu engagieren. Das liegt nicht selten daran, dass sie gar nicht so genau wissen, was sie tun und wo sie helfen können. Deshalb ist es wichtig genau zu erklären wofür im Einzelnen Unterstützung gebraucht wird.

9. Sich selbst und die Gruppe nicht überfordern
Bisher treffen Sie sich einmal monatlich in der Eckkneipe. Aber jetzt planen Sie eine eigene Internetseite, Informationsbroschüren, Vorträge, die Gründung eines Vereins usw. So sinnvoll jedes einzelne dieser Vorhaben ist, sie sind jeweils mit einer Menge Arbeit verbunden. Bleiben Sie deshalb lieber realistisch und setzen Sie sich nur Ziele die Sie auch erreichen können.

10. Anerkennung ausdrücken und bedanken
Anders als bei einer Erwerbstätigkeit ist es bei ehrenamtlichem Engagement sehr wichtig Anerkennung auszudrücken und sich regelmäßig für das zu bedanken, was für die Selbsthilfegruppe geleistet wurde. Denn das Gefühl gebraucht zu werden und etwas Sinnvolles zu tun, ist für Ehrenamtliche die Motivation sich auch weiterhin zu engagieren.

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